Verstecke Schönheiten (Microctenopoma ansorgii)

 

© Stefab Rösler für Betta United

Ich habe in der Dezember-Ausgabe 2008 von aqua-terra-austria einen Artikel über Microctenopoma ansorgii herausgebraucht. Für alle, die diese Zeitschrift nicht bekommen, hier der Artikel:

Ctenopoma ansorgii kommt aus Afrika, wo er oft sehr versteckt sein Dasein verbringt.
Daher braucht dieser Buschfisch auch in unseren Aquarien viele Versteck-möglichkeiten, um sich wohl zu fühlen. Die Männchen werden meist 8 - 9 cm und die Weibchen 5 cm groß. Da ein solcher Fisch eine sehr dichte Vegetation benötigt, um sich wohl zu fühlen, kann es vorkommen, dass man ihn Tage oder gar Wochen nicht zu Gesicht bekommt. Nichts für Tierfreunde, die Fische kaufen, um etwas Buntes im Wohnzimmer schwimmen zu haben. Wie gesagt, ist der orange Buschfisch ein eher ruhiger und getarnter Zeitgenosse. Er ist die meiste Zeit dunkelbraun bis schwarz gefärbt. 

Jedoch ändert sich dies sehr schnell, wenn sich zwei Männchen begegnen. Die Tiere stellen ihre Flossen auf und imponieren sich gegenseitig. Dies ist normalerweise nichts besonderes, jedoch ist bei Ctenopoma ansorgii die Farbveränderung sehr intensiv. Die Männchen bekommen in Sekundenschnelle ungeheuer kräftige, orange und schwarze, senkrechte Streifen. Die Fische werden um 50% aktiver und man glaubt, dass man einen völlig anderen Fisch sieht. Ich habe letztens einen Versuch gemacht und zwei gleich starke Männchen zusammengesetzt. Sie dominierten sich in den schönsten Farben zwei Tage lang (ohne etwas zu fressen und immer in Imponierstellung). Jedoch muss ich hier sagen, es gab immer wieder Wasserwellen, die sich die Männchen gegenseitig zu gestoßen haben, jedoch keine direkten Attacken mit den Mäulern, sodass sich die Tiere nie ernsthafte Verletzungen gegenseitig zugefügt hatten. Ich drehte auch in dem Zimmer das Licht ab, sodass sich die Fische nie gegenseitig sehen konnten. Als ich dann nach einigen Stunden das Licht aufdrehte, waren sie noch immer in den schönsten Farben und dominierten sich so, als hätten sie sich die ganze Zeit beobachtet.

Die schönen Farben haben natürlich auch etwas mit der Fütterung zu tun.
Als Futter verwende ich ausschließlich Lebendfutter und am meisten rote Mückenlarven und Tubifex. Was ich sehr erstaunlich finde, ist dass Ctenopoma ansorgii äußerst lange ohne Futter auskommen kann (zwei Wochen problemlos). Dies schließe ich auf die normalerweise äußerst langsamen Bewegungen bzw. stundenlange Bewegungslosigkeit der Tiere in den Pflanzen zurück. 

Meine Fische schwimmen in einem reinen Artenbecken und das ist gut so, denn man hört immer wieder, dass sich diese Art an anderen kleineren Fischen vergreift. 

Vor einigen Wochen begann ich, nach einjähriger Pause, wieder mit der Zucht von Ctenopoma ansorgii. Dies geschah nicht, weil mich die Fische wieder ergriffen, nein viel mehr, da sich ein Freund gemeldet hatte und ein Pärchen von mir haben wollte. In meinem Optimismus, dass ich noch genügend Pärchen hätte, wühlte ich in den 1m 50 cm Becken herum um Exemplare zu finden, da mein Becken voller Pflanzen war und ich die Tiere die meiste Zeit nicht sehen konnte. Manches Mal weiß ich nicht, ob ich die Pflanzen oder die Fische füttere.  

Ich war redlich aufgeregt, als ich nur vier Männchen fand. Zwei davon waren schon richtige „Urfische“ - nur die anderen zwei Männchen, die relativ „frisch“ waren (eineinhalb Jahre), konnte ich zur Zucht verwenden. Da gab es nur ein Problem, wo nehme ich ein Weibchen her. Meiner Erinnerungen nach, hatte ich aber noch irgendwo ein Weibchen, es musste in diesem Becken sein. Also suchte ich noch einmal ganz genau. An dieser Stelle muss ich sagen, ich verstehe, warum diese Fische „Buschfische“ genannt werden. Benahe alle Pflanzen musste ich aus dem Becken auswurzeln, damit ich ein Lebenszeichen eines Fisches bemerkte. Endlich, da war es! Ein wunderschönes Weibchen, das ein Jahr nicht abgelaicht hatte.

Ich versuchte langsam und voller Gefühl mit dem Netz sie von hinten zu fangen. Diese Fische sind faszinierend, in einen Augenblick sind sie völlig regungslos und vertrauen vollkommen auf ihre Tarnung und im nächsten flitzen sie so schnell weg, dass man gar nicht mit dem Auge mitkommt. Und so ging es mir eine Stunde lang. Man konnte sagen, dass sich das Weibchen mit mir „spielte“.

Dann hatte meine Geduld ein Ende, ich ließ den Mulm setzten und das Weibchen beruhigen. Dann versuchte ich es noch einmal, aber ohne Netz. 

Wie das gehen soll, ganz einfach, man muss den Fisch zur Frontscheibe treiben, sich wirklich sehr langsam mit der Hand von unten nähern und ihn in die Hand nehmen und ruhig und mit viel Gefühl den Fisch herausnehmen. Diese Methode ist mir zurzeit immer nur bei Labyrinthern gelungen, bei keinen anderen Arten sonst. Na gut bei Guppies, das ist aber ein anderes Thema, die schwimmen dir ja schon in die Hand.

Als ich das Weibchen dann endlich hatte, gab ich es in ein kleineres Becken (ca. 25l) mit dem jüngsten Männchen. Dicht bepflanzt und auf 24 Grad die Temperatur, bei normalem Wiener Leitungswasser, hatten sie schon am nächsten Tag ein Nest gebaut und abgelaicht. Jedoch hatte ich Schnecken in dem Becken und das war „das Aus“ für das Gelege. Jedoch ließen sie sich nicht entmutigen und laichten zwei Tage darauf wieder ab. Hoch interessant war, was mir bei diesen Pärchen auffiel, dass das Schaumnest einen durchschnittliche Durchmesser von 8 cm hatte und dass die Eier nicht im Nest bzw. unter den Schaumblasen waren, sondern in einen Abstand von 1cm um das Nest herum verteilt waren. Ctenopoma ansorgii haben Schwimmeier, welches die Beobachtung von vorher in einer positiven Weise unterstützt, da sonst die Eier zu Boden fallen und verschimmeln würden. 

Das Männchen war zwar in der Nähe und bewachte das Nest, machte aber keine Anstallten das Nest zu pflegen, oder die Eier einzusammeln. Also schöpfte ich die Eier heraus und gab sie in ein extra Becken. Zu meinem Erstaunen, verschimmelten nur ca. 30 %. Normaler Weise verschimmeln alle Eier von Labyrinthfischen (zumindest die Arten, die ich hatte), ohne die fürsorgliche Pflege des Vaters. 

Im Regelfall ziehe ich die Jungtiere mit Staubfutter und Mikrowürmern auf. Da bei dieser Methode jedoch nur wenige Jungtiere hochkommen, versuchte ich es einmal mit einer anderen Methode, nämlich mit Artemia, nach dem 5 Tag. Hier kamen viel mehr Jungtiere hoch und das erstaunliche war, dass sie viel zutraulicher waren, als die Jungtiere, die nur mit Mikrowürmern und Staubfutter gefüttert worden waren. 

Bei dieser Art wachsen die Jungen langsam und benötigen 9 Monate zur Geschlechtsreife. Nach 2 Monaten werden die Tiere mit kleinen weißen und roten Mückenlarven hochgezogen, da Artemia nicht mehr ausreichend Energie hergeben.
Bei den Mückenlarven muss man darauf achten, dass man Mückenlarven nimmt, die die Jungtiere problemlos fressen können, da sie sonst daran ersticken könnten (Luftatmer). Sie imponieren sich auch schon in jungen Monaten und zeigen auch hier ihre schönsten Farben. 

Ich hoffe ich konnte sie mit diesem Artikel ein wenig fürCtenopoma ansorgii begeistern und würde es beglückwünschen, öfters diese Tiere unter privaten Züchtern finden zu können. 

© Stefan Roesler für BettaUnited