|
Ich habe in der Dezember-Ausgabe 2008 von aqua-terra-austria einen Artikel
über Microctenopoma ansorgii herausgebraucht. Für alle, die diese
Zeitschrift nicht bekommen, hier der Artikel:
Ctenopoma ansorgii kommt aus Afrika, wo er oft sehr versteckt sein Dasein
verbringt.
Daher braucht dieser Buschfisch auch in unseren Aquarien viele
Versteck-möglichkeiten, um sich wohl zu fühlen. Die
Männchen werden meist 8 - 9 cm und die Weibchen 5 cm groß. Da ein solcher
Fisch eine sehr dichte Vegetation benötigt, um sich wohl zu fühlen, kann es
vorkommen, dass man ihn Tage oder gar Wochen nicht zu Gesicht bekommt.
Nichts für Tierfreunde, die Fische kaufen, um etwas Buntes im Wohnzimmer
schwimmen zu haben. Wie gesagt, ist der orange Buschfisch ein eher ruhiger
und getarnter Zeitgenosse. Er ist die meiste Zeit dunkelbraun bis schwarz
gefärbt.
Jedoch ändert sich dies sehr schnell, wenn sich zwei Männchen begegnen. Die
Tiere stellen ihre Flossen auf und imponieren sich gegenseitig. Dies ist
normalerweise nichts besonderes, jedoch ist bei Ctenopoma ansorgii die
Farbveränderung sehr intensiv. Die Männchen bekommen in Sekundenschnelle
ungeheuer kräftige, orange und schwarze, senkrechte Streifen. Die Fische
werden um 50% aktiver und man glaubt, dass man einen völlig anderen Fisch
sieht. Ich habe letztens einen Versuch gemacht und zwei gleich starke
Männchen zusammengesetzt. Sie dominierten sich in den schönsten Farben zwei
Tage lang (ohne etwas zu fressen und immer in Imponierstellung). Jedoch muss
ich hier sagen, es gab immer wieder Wasserwellen, die sich die Männchen
gegenseitig zu gestoßen haben, jedoch keine direkten Attacken mit den
Mäulern, sodass sich die Tiere nie ernsthafte Verletzungen gegenseitig
zugefügt hatten. Ich
drehte auch in dem Zimmer das Licht ab, sodass sich die Fische nie
gegenseitig sehen konnten. Als ich dann nach einigen Stunden das Licht
aufdrehte, waren sie noch immer in den schönsten Farben und dominierten sich
so, als hätten sie sich die ganze Zeit beobachtet.
Die schönen Farben haben natürlich auch etwas mit der Fütterung zu tun.
Als Futter verwende ich ausschließlich Lebendfutter und am meisten rote
Mückenlarven und Tubifex. Was ich sehr erstaunlich finde, ist dass Ctenopoma
ansorgii äußerst lange ohne Futter auskommen kann (zwei Wochen problemlos).
Dies schließe ich auf die normalerweise äußerst langsamen Bewegungen bzw.
stundenlange Bewegungslosigkeit der Tiere in den Pflanzen zurück.
Meine Fische schwimmen in einem reinen Artenbecken und das ist gut so, denn
man hört immer wieder, dass sich diese Art an anderen kleineren Fischen
vergreift.
Vor einigen Wochen begann ich, nach einjähriger Pause, wieder mit der Zucht
von Ctenopoma
ansorgii. Dies geschah nicht, weil mich die Fische wieder ergriffen, nein
viel mehr, da sich ein Freund gemeldet hatte und ein Pärchen von mir haben
wollte. In meinem Optimismus, dass ich noch genügend Pärchen hätte, wühlte
ich in den 1m 50 cm Becken herum um Exemplare zu finden, da mein Becken
voller Pflanzen war und ich die Tiere die meiste Zeit nicht sehen konnte.
Manches Mal weiß ich nicht, ob ich die Pflanzen oder die Fische füttere.
Ich war redlich aufgeregt, als ich nur vier Männchen fand. Zwei davon waren
schon richtige „Urfische“ - nur die anderen zwei Männchen, die relativ
„frisch“ waren (eineinhalb Jahre), konnte ich zur Zucht verwenden. Da gab es
nur ein Problem, wo nehme ich ein Weibchen her. Meiner Erinnerungen nach,
hatte ich aber noch irgendwo ein Weibchen, es musste in diesem Becken sein.
Also suchte ich noch einmal ganz genau. An dieser Stelle muss ich sagen, ich
verstehe, warum diese Fische „Buschfische“ genannt werden. Benahe alle
Pflanzen musste ich aus dem Becken auswurzeln, damit ich ein Lebenszeichen
eines Fisches bemerkte. Endlich,
da war es! Ein wunderschönes Weibchen, das ein Jahr nicht abgelaicht hatte.
Ich versuchte langsam und voller Gefühl mit dem Netz sie von hinten zu
fangen. Diese Fische sind faszinierend, in einen Augenblick sind sie völlig
regungslos und vertrauen vollkommen auf ihre Tarnung und im nächsten flitzen
sie so schnell weg, dass man gar nicht mit dem Auge mitkommt. Und so ging es
mir eine Stunde lang. Man konnte sagen, dass sich das Weibchen mit mir
„spielte“.
Dann hatte meine Geduld ein Ende, ich ließ den Mulm setzten und das Weibchen
beruhigen. Dann versuchte ich es noch einmal, aber ohne Netz.
Wie das gehen soll, ganz einfach, man muss den Fisch zur Frontscheibe
treiben, sich wirklich sehr langsam mit der Hand von unten nähern und ihn in
die Hand nehmen und ruhig und mit viel Gefühl den Fisch herausnehmen. Diese
Methode ist mir zurzeit immer nur bei Labyrinthern gelungen, bei keinen
anderen Arten sonst. Na gut bei Guppies, das ist aber ein anderes Thema, die
schwimmen dir ja schon in die Hand.
Als ich das Weibchen dann endlich hatte, gab ich es in ein kleineres Becken
(ca. 25l) mit dem jüngsten Männchen. Dicht bepflanzt und auf 24 Grad die
Temperatur, bei normalem Wiener Leitungswasser, hatten sie schon am nächsten
Tag ein Nest gebaut und abgelaicht. Jedoch hatte ich Schnecken in dem Becken
und das war „das Aus“ für das Gelege. Jedoch
ließen sie sich nicht entmutigen und laichten zwei Tage darauf wieder ab.
Hoch interessant war, was mir bei diesen Pärchen auffiel, dass das
Schaumnest einen durchschnittliche Durchmesser von 8 cm hatte und dass die
Eier nicht im Nest bzw. unter den Schaumblasen waren, sondern in einen
Abstand von 1cm um das Nest herum verteilt waren. Ctenopoma
ansorgii haben Schwimmeier, welches die Beobachtung von vorher in einer
positiven Weise unterstützt, da sonst die Eier zu Boden fallen und
verschimmeln würden.
Das Männchen war zwar in der Nähe und bewachte das Nest, machte aber keine
Anstallten das Nest zu pflegen, oder die Eier einzusammeln. Also schöpfte
ich die Eier heraus und gab sie in ein extra Becken. Zu
meinem Erstaunen, verschimmelten nur ca. 30 %. Normaler Weise verschimmeln
alle Eier von Labyrinthfischen (zumindest die Arten, die ich hatte), ohne
die fürsorgliche Pflege des Vaters.
Im Regelfall ziehe ich die Jungtiere mit Staubfutter und Mikrowürmern auf.
Da bei dieser Methode jedoch nur wenige Jungtiere hochkommen, versuchte ich
es einmal mit einer anderen Methode, nämlich mit Artemia, nach dem 5 Tag.
Hier kamen viel mehr Jungtiere hoch und das erstaunliche war, dass sie viel
zutraulicher waren, als die Jungtiere, die nur mit Mikrowürmern und
Staubfutter gefüttert worden waren.
Bei dieser Art wachsen die Jungen langsam und benötigen 9 Monate zur
Geschlechtsreife. Nach 2 Monaten werden die Tiere mit kleinen weißen und
roten Mückenlarven hochgezogen, da Artemia nicht mehr ausreichend Energie
hergeben.
Bei den Mückenlarven muss man darauf achten, dass man Mückenlarven nimmt,
die die Jungtiere problemlos fressen können, da sie sonst daran ersticken
könnten (Luftatmer). Sie imponieren sich auch schon in jungen Monaten und
zeigen auch hier ihre schönsten Farben.
Ich hoffe ich konnte sie mit diesem Artikel ein wenig fürCtenopoma ansorgii
begeistern und würde es beglückwünschen, öfters diese Tiere unter privaten
Züchtern finden zu können.
© Stefan Roesler für BettaUnited |