
Betta Splendens sind in ihrer Wildform rot-blaue Fische mit kurzen Flossen.
Ihr ursprünglicher Lebensraum befindet sich in Asien, insbesondere
in Thailand,
Indonesien, Kambodscha, Vietnam und Malaysien. Dort findet man sie in
stehenden kleinen Gewässern, wie beispielsweise in Tümpeln, Reisfeldern,
Sumpf- und Moorwäldern. Ihre ursprüngliche Wildform dürfte allerdings nicht
oder kaum mehr existieren. Die alte (und mittlerweile verbotene) Tradition
der Bettakämpfe dürfte daran nicht unbeteiligt sein. Auf der Jagd nach dem
stärksten und zähesten Fisch wurden wildlebende Betta splendens von überall
eingefangen, weitergezüchtet, mitunter mit anderen Wildarten gekreuzt
und wieder in der freien Wildbahn ausgesetzt.
Dadurch wurde das Erbgut fraglos manipuliert und die
ursprünglichen lokalen Ausprägungen sind wahrscheinlich verloren gegangen.
Vielleicht sogar der gesamte ursprüngliche Betta splendens an sich.
Heute gibt es natürlich weder legale Kämpfe, noch die historischen
Zuchttraditionen mehr. Was blieb und bleibt ist die Freude am Züchten, allerdings
fokussierend auf die Schönheit, Vielfalt und das ausgewogene
Erscheinungsbild des Fisches in Kombination mit Vitalität und Gesundheit.
Vieles wurde in den letzten Jahrzehnten gelernt – auch in genetischer
Hinsicht. So kommen Betta splendens in ihrer Hochzuchtvariante mittlerweile
in unzähligen Farben und vielen Flossenformen vor und haben die Herzen
vieler Aquarianer in aller Welt erobert.

In seiner Haltung ist ein Betta splendens,
wie auch schon in seinem beeindruckendem Aussehen, etwas Besonderes und man
sollte ein paar Dinge berücksichtigen, will man zuhause lange Freude an
diesen Fischen haben.
Ihr Sozialverhalten zeichnet sich unter anderem durch ihre innerartlich
äußerst aggressive und stark revierbildende Art aus. Männchen sind strikte
Einzelgänger und scheinen ein durchschnittlich 40 -
50cm großes Revier für
sich alleine zu beanspruchen. Weibchen hingegen haben offenbar eher kleinere
Reviere, in etwa 20 - 30cm. Zumeist sind auch sie Einzelgängerinnen. Manchmal
hingegen kommt es vor, dass sich Weibchen – zumeist Geschwister - zu
Kleinstgruppen zusammenschließen. Innerhalb dieser Gruppen gibt es eine
strenge Hierarchie, die nach und nach festgelegt wird. Ein dauerhaftes
Zusammenleben von Männchen und Weibchen kommt bei Betta splendens im
natürlichen Lebensraum offenbar nicht vor.
Insofern ist auch die landläufige Empfehlung der Haremshaltung in unseren
Aquarien kritisch zu hinterfragen, da es, wie man mittlerweile weiß, eine
eigentlich artfremde, unnatürliche Haltungsempfehlung ist. Männchen
und Weibchen dulden sich ausschließlich zur Paarung. Danach verteidigt das
Männchen den zentralen Raum um das Nest, während das Weibchen die
Außenverteidigung übernimmt. Vom Nest direkt allerdings wird das Weibchen
nachdrücklich verjagt. Danach löst sich die temporäre Gemeinschaft wieder
auf. Eine gemeinsame Dauerhaltung bedeutet für die Tiere eigentlich
Dauerstress und kann somit zu etwaigen Krankheiten und sogar verkürzter
Lebensdauer führen.
Hochzuchtbettas variieren in der Körperlänge zwischen 4 und 7cm, wobei das
Männchen in der Regel größer als das Weibchen ist. Einzig eine neuere
Zuchtform, die so genannten „Giants“ sprengen diese Größenangaben.

Geschlechterunterschiede sind an
folgenden Merkmalen erkennbar: Weibchen haben zwischen den Ventralen (Brustflossen)
eine deutlich ausgeprägte Laichpapille (ein weißer deutlich sichtbarer
Knubbel), sind zudem am zumeist vorhandenen Laichansatz erkennbar und weisen
in der Regel ein etwas spitzeres Maul auf als Männchen. Letztere hingegen
haben eine oft bulligere Körperform und flachere Mäuler, und natürliche
keine Laichpapille (wenn auch einen winzig kleinen weißen Punkt an der
gleichen Stelle wie Weibchen) und keinen Laichansatz. Außer bei
kurzflossigen Züchtungen (Plakats) und Jungfischen sind die Flossen der
Hochzucht Betta Splendens Männchen deutlich länger und fülliger.
Betta splendens zählen zur Fischgruppe der Labyrinther, die zusätzlich zur
Kiemenatmung auch atmosphärische Luft benötigen. Diese Besonderheit macht
das so genannte Labyrinthorgan möglich, das sich oberhalb der Kiemen in der
Labyrinthhöhle befindet. Kann ein Betta splendens nicht an die
Wasseroberfläche gelangen und Luft einatmen, würde er binnen recht kurzer
Zeit ertrinken.

Hier ein junges Weibchen knapp vor dem
Auftauchen, um atmosphärische Luft einzuatmen. Dies wird durch das
Labyrinthorgan ermöglicht.
Betta splendens sind in der Haltung, aufgrund
ihres Sozialverhaltens, ihres natürlichen Lebensraumes und ihrer Biologie
nicht sehr aufwendig zu pflegen, wenn man ein paar grundlegende Richtlinien
beachtet. Männchen sollten immer alleine gehalten werden und auch keinen
dauerhaften Sichtkontakt zu Artgenossen haben. Für Weibchen gilt im Prinzip
das gleiche, außer es handelt sich um eine kleine Gruppe Schwestern, die in
ausreichend großen Aquarien (siehe Reviergrößen) auch mitunter gemeinsam
gehalten werden können. Beide Geschlechter sollten sich nur zur Paarung in
ein und demselben Aquarium aufhalten. Generell wird das Weibchen nach der
Paarung und das Männchen nach der Brutpflege, sobald die Jungfische frei
schwimmen können wieder in das eigene Becken zurückgesetzt.
Haltungsbecken (im Unterschied zu Zuchtbecken) sollten, um eine
artgerechte Haltung zu gewährleisten, ausreichend Platz für ein natürliches
Revier bieten - also in etwa 40-50cm Kantenlänge bei
Männchen, gesetzlich ist eine
Mindestkantenlänge von 60cm vorgeschrieben. Allerdings wird im Gesetz der
starken Revierbildung der Betta nicht zur Genüge Rechnung getragen, die
60cm Kantenlänge bezieht sich auf eine (veraltete) Haremshaltungsannahme,
also 1 Männchen und 2-3 Weibchen,
und trägt damit den Revieransprüchen der Fische nicht
Rechnung (40cm für Männchen, je 20cm für
Weibchen, dies ergäbe eine Netto-Kantenlänge von
80cm für besagten Harem, inklusive erforderlichen Pufferzonen zwischen den
Revieren somit mindestens 100cm – nichts desto trotz funktioniert die
Haremshaltung auch auf 100cm nur in den seltensten Fällen und ist daher
meiner Meinung nach nicht zu empfehlen). Für stark revierbildende Fische,
die Einzelhaltung erforderlich machen, ist ein entsprechend ihrer
Reviergröße angemessenes Aquarium laut Gesetz erforderlich.
Die Gestaltung der Haltungsbecken sollte nach Möglichkeit dem natürlichen
Lebensraum angeglichen werden. Somit ist eine dichte Bepflanzung bis zur
Wasseroberfläche reichend notwendig, wie auch Schwimmpflanzen, optional
Bodengrund – aber nicht zu hell, idealerweise 25-28°C, kaum oder besser
keine Strömung, eine Abdeckung der Aquarien (Betta sind gute Springer). Der
konstante pH-Wert des Wassers sollte nicht unter 6 und nicht über 8 sein.
Die konstante GH des Haltungswassers sollte sich zwischen 0 und 15 befinden.

Wuchernde Wasserpflanzen bis zur
Oberfläche, Schwimmpflanzen…so ähnlich sollte ein Betta-Becken aussehen!
Die Vergesellschaftung von Betta splendens ist nicht ganz einfach.
Idealerweise sollte man direkt in ihre Reviere, die vor allem eher an der
Wasseroberfläche fixiert sind, keine zusätzlichen Fische einsetzen. Insofern
bieten sich hauptsächlich friedliche, am Boden lebende Fische an, wie z.B.
Corydoras, Ancistren, manche L-Welse, Dornaugen, aber auch friedliche
Wirbellose wie Schnecken und Amanogarnelen (sofern sie ausgewachsen sind,
ansonsten besteht die Gefahr, dass sie zu Lebendfutter für den
Betta werden).
Generell ist in der Vergesellschaftung Stress, Hektik oder gar physische
Gefährdung für den Betta striktest zu vermeiden. Ein Betta selbst wird
andere Fische kaum angreifen, es sei denn die physische Erscheinung gleicht
einem männlichen Rivalen, wie z.B. die viel zitierten langflossigen Formen der
Guppies. Vergesellschaftet man seinen Betta, sind natürlich die
erforderlichen Beckengrößen entsprechend anzupassen – die weitere Auswahl
entsprechend der artgemäßen Anforderungen der anderen Fische sei
vorausgesetzt.
Die Ernährung von Betta Splendens sollte möglichst aus
abwechslungsreichem
Lebend-, Frost-, und für Betta
ausdrücklich geeignetes Trockenfutter bestehen. Hier bieten sich z.B. folgende
Sorten besonders an: Weiße, schwarze Mückenlarven, Artemia, Daphnien.
Nachdem vor allem rote Mückenlarven und Tubifex in letzter Zeit in der
Aquaristik in Verruf geraten sind, da sie im Verdacht stehen Krankheiten zu
übertragen, empfehle ich sie hier vorerst nicht, solange die Vermutung
weiterhin besteht.
© Ursula Bosnjak für
Betta United |