Verpaarung und Aufzucht von Hochzucht Betta Splendens
 

 © Ursula Bosnjak für Betta United

In ihrer natürlichen Umgebung sind Betta Splendens in der Regel Einzelgänger. Die Geschlechter treffen nur bei der Paarung länger aufeinander. Paarung und Aufzucht der Jungen erfolgt in den dicht bewachsenen, stehenden Gewässern asiatischer Regionen wie z.B. in Thailand, Kabodscha, Vietnam oder Indonesien. Betta Splendens gehören zu den schaumnestbauenden Fischen. Brutpflege und Nestbau obliegt in der Regel dem Männchen – währenddessen übernimmt das Weibchen die Verteidigung im weiteren Umfeld des Nestes gegen etwaige Fressfeinde. Bei einer geplanten Verpaarung in einem Zuchtbecken, sollten also diese Bedingungen mitberücksichtigt und so gut wie möglich imitiert werden.

Einige Aspekte  gilt es vor einer Verpaarung zu berücksichtigen. Eine Nachzucht ist sehr zeit- und platzaufwendig und sollte gut überlegt und geplant werden.

Für folgende Notwendigkeiten sollten räumliche Unterbringungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen: Abgesehen von den Haltungsbecken der erwachsenen Tiere, muss Platz für ein Zuchtbecken gewährleistet werden (zumeist ist ein 25L Becken am günstigsten). Zusätzlich ist ein Aufzuchtbecken für die Jungfische zu besorgen, wohin sie ab einem Alter von ca. 8 Wochen (je nach Wachstumsgeschwindigkeit) übersiedelt werden (hier empfiehlt sich ein Becken ab ca. 54L). Auch sollten 2-3 Regale o.ä. zur Hand sein, die Platz für Separierungs-Boxen à 3,5L für Jungmännchen bieten. Eine Konzeption für ca. 100 Stk. ist günstig und sollte gegebenenfalls erweiterbar sein. Diese Regale sollte an einem Ort stehen, wo mindestens 26-27°C Raumtemperatur herrscht, um eine gleich bleibende Wassertemperatur von ca. 25°C gewährleisten zu können (eine etwas höhere Raumtemperatur ist vorzuziehen, maximal 32°C).

 Selbstverständlich gibt es auch andere Beheizungsmöglichkeiten, wie z.B. Heizmatten oder die Beheizung der Einzelboxen im Rahmen von Dripsystemen. Ebenfalls zu planen ist die Ernährung der Jungfische, die anfangs nur über Lebendfutterversorgung stattfinden sollte. Artemia-Dauereier, sowie ein Ansatz Microwürmchen und Essigälchen, mit dem entsprechenden Zubehör, sei an dieser Stelle empfohlen. In den Separierungsboxen sind alle 2 - 3 Tage gründliche Wasserwechsel vornehmen (je nach Verschmutzung), und einmal pro Woche diese komplett zu tauschen und zu reinigen. Hier sollte man bedenken, dass dies bei 100 Boxen schon etwas dauern kann!

Bereits vor der Verpaarung sollte eine Abgabemöglichkeit für die Jungfische fix geklärt sein, da sie selbstverständlich nicht dauerhaft in diesen Boxen gehalten werden. Sobald sie eine Körperlänge von etwa 4cm erreicht haben, sollten vernünftig große Aquarien zur Verfügung gestellt bekommen, dies bedeutet für die meisten Jungfische, zu ihren neuen Besitzern transferiert zu werden. Rücksprache mit Zooläden oder/und privaten Interessenten sollte vorher gehalten werden, um verlängerte Wartezeiten für die Fische zu vermeiden – ab 4cm Körperlänge werden die Boxen schlicht und einfach zu klein für Jungfische und wären haltungstechnisch selbst bei derart häufigen Wasserwechseln nicht mehr vertretbar. 

Sollten all diese Vorraussetzungen geschaffen sein, kann man mit den Vorbereitungen zur Verpaarung beginnen.  

Die ausgewählten Fische sollten selbstverständlich gesund, vital und gut genährt sein –  das Paar wird nun für 14 Tage konditioniert – also kräftig angefüttert (am besten mit gutem Lebendfutter oder Frostfutter, z.B. Artemia und schwarzen Mückenlarven). Idealerweise befinden sich die beiden Haltungsbecken nebeneinander, so dass der sich dazwischen befindende Sichtschutz täglich für ca. 10-15min (nicht dauerhaft!) entfernt werden kann. Das fördert die Bildung des Laichansatzes beim Weibchen und regt das Männchen zum Nestbau an.

Das Zuchtbecken kann nach verschiedenen Konzepten eingerichtet werden. Idealerweise gibt es einen eingefahrenen Filter, der zwar nicht zwingend notwendig ist, aber doch die Stabilität der Wasserwerte am ehesten gewährleistet. Wenn ein Filter zur Verwendung kommt so eignet sich idealerweise, weil völlig gefahrlos, ein Schwammfilter – dieser kann zu jeder Zeit des Prozesses eingeschalten bleiben.  

Die zweite Möglichkeit wäre einen kleinen Innenfilter zu verwenden, der regulierbar sein muss. Dieser wird gut in Filterwatte eingepackt und darüber zum Schutz z.B. ein Strumpf gezogen, um zu vermeiden, dass Jungfische in den Filter gesaugt werden. Der Filter wird im Becken nun so angebracht, dass er horizontal im Becken im unteren Bereich platziert ist, die Filterausströmung wird direkt gegen eine Beckenwand gerichtet, um eine kaum merkbare Filterströmung im Becken zu erzeugen. Unbedingt notwendig ist ein kleiner, regulierbarer Heizstab, der in etwa 27°C im Becken gewährleisten sollte. Strategisch gut platziert wäre dieser horizontal im unmittelbaren Bereich der Filterströmung, da dort das aufgeheizte Wasser durch die Filterströmung gleichmäßig im Becken verteilt wird.

   Im Zuchtbecken sind so genannte Nestbauhilfen hilfreich, z.B. Seemandelbaumblätter (die zudem antibakteriell und antifungizid wirken), Styroporplattenstücke, Schwimmpflanzen, etc. Das Becken sollte unbedingt abgedeckt sein, um einerseits dem Sprungtalent von Betta vorzubeugen und andererseits die Stabilität des Schaumnestes zu fördern! Der Wasserstand sollte in etwa 15cm betragen. 

Für die Nacht stellt man dem Männchen am besten eine kleine schwache Lampe in der Nähe des Beckens zur Verfügung – das Männchen ist während der Brutpflege immer wach und findet so leichter herunterfallende Eier.

Während der Verpaarung, bis zu dem Zeitpunkt an dem das Weibchen wieder aus dem Becken genommen wird, ist es hingegen günstiger das Licht des Aquariums tagsüber ausgeschaltet zu lassen, damit sich das Weibchen auch vor dem Männchen verstecken kann, falls notwendig. Nachdem man während der Paarung jegliche Störungen vermeiden sollte, wird mittels einer Portion Wasserflöhe für ständig zur Verfügung stehendes, gutes Futter gesorgt.

Betreffen der restlichen Einrichtung des Zuchtbeckens gibt es unterschiedliche Varianten, die alle ihr Vor- und Nachteile haben. 

  1. Steriler Ansatz: Im Becken ist nur ein Heizstab (und eventuell ein Filter), sowie die erwähnten Nestbauhilfen und Versteckmöglichkeiten für das Weibchen z.B. Javamoos, feinfiedrige Pflanzen, Höhlen etc. Der Boden bleibt frei (also kein Bodengrund). Vorteilhaft ist diese Variante in hygienischer Hinsicht, nämlich für die effektive Absaugung des Bodens. Jungfische werden zudem deutlicher gesehen und somit weniger leicht beim Reinigen des Beckens miteingesaugt.
     
  1. Ansatz im voll eingerichteten Becken: Siehe steriler Ansatz, allerdings inklusive Bodengrund, eingesetzten Pflanzen usw. Dies bietet die Vorteile eines fix eingefahrenen Beckens und der damit einhergehenden stabileren Parameter des Wassers. Allerdings kann in diesen Becken kaum so hygienisch gearbeitet werden wie in den sterilen, da die genaue Bodenreinigung nicht möglich ist und Jungfische mitunter dabei leicht mit eingesaugt werden und dann mühsam aus dem Kübel mit dem alten Wasser wieder herausgefischt werden müssen.
  1. „Dunkler“ Ansatz:  Über einem Becken mit einem sterilem Ansatz wird ein dunkles, großes Leintuch oder Badetuch gebreitet, in das ein ca. 3cm großes Loch geschnitten wird, worüber eine schwache Beleuchtung angebracht wird – strategischerweise am strömungsärmsten Punkt im Becken, wo auch die Nestbauhilfen platziert werden. Dies hat vor allem den Vorteil, dass tendenziell eher aggressivere Tiere leichter und ungefährlicher verpaart werden können, da das Jagen und Zupfen aufhört, sobald sich die Tiere an manchen Stellen im Becken nicht sehen. Zusätzlich kann das Wasser selbst auch noch eingedunkelt werden z.B. mit 1 bis 2 Seemandelbaumblättern (oder – sud)  oder Erlenzäpfchen. Nach der erfolgreichen Verpaarung, wird das Tuch vom Zuchtbecken entfernt.

Generell sollte zuerst das Weibchen in das Zuchtbecken eingesetzt werden. So kann es das Becken ein paar Stunden in Ruhe alleine erkunden. Dann wird es in einen durchsichtigen Plastik/Glasbehälter im Zuchtbecken gesetzt oder hinter einer durchsichtigen Plexiglaswand separiert – im Becken ist dafür vor allem ein Bereich nahe des etwaigen Innenfilters geeignet, da das Männchen dort kein Nest baut. Was auch immer für ein Behälter gewählt wird, er sollte leicht wieder aus dem Becken zu entfernen sein (d.h. ohne nennenswerte Wasserbewegung zu erzeugen, damit das Nest nicht zerstört wird).  

Nun wird das Männchen, getrennt vom Weibchen ins Becken gelassen – es wird normalerweise bald nachdem es das Weibchen entdeckt hat mit dem Nestbau beginnen.

  

Sobald das Nest fertig erscheint und das Weibchen Laichstreifen zeigt (hellgelbe vertikale Linien), kann das Weibchen direkt zum Männchen gelassen werden – diese Phase sollte unter Beobachtung passieren (außer natürlich beim dunklen Ansatz, wo das nicht möglich ist, aber ohnehin weniger Gefahr für die Fische besteht). Idealerweise sind nun beide paarungsbereit und das Männchen führt das Weibchen (nach einer kürzeren Phase des Jagens und eventuell Zupfens) unter das Nest. Wird das Jagen unermüdlich und endlos, das leichte Zupfen eskaliert in  Beschädigungskämpfe, ist das Weibchen sofort wieder in ihren Plastikbehälter zu setzen und erst zu einem späteren Zeitpunkt sollte ein neuer Versuch erfolgen.  

Sobald das Paar unter dem Nest ist, beginnen meist bald die ersten Scheinpaarungen, danach erst kommt es zu echten Paarungen und zur Abgabe von Geschlechtsprodukten.

Dabei umschlingt das Männchen das Weibchen, dieses stößt ihre Eier in mehreren Intervallen ab, welche sofort vom Männchen befruchtet, eingesammelt und ins Nest befördert werden.

Jetzt sollte der Innenfilter komplett ausgeschalten werden – in Betrieb genommen wird er erst wieder einige Tage nach dem Freischwimmen der Jungfische (plus ev. 2 Extra-Tage). Nach einiger Zeit, wenn die Paarung beendet ist, verjagt das Männchen das Weibchen vom Nest – jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um das Weibchen aus dem Becken zu nehmen und es in sein Haltungsbecken zurückzusetzen. Es sollte in den nächsten Tagen gut gefüttert werden und eventuelle Verletzungen mittels Salzbeigabe im Wasser rasch zur Abheilung gebracht werden (1TL jodfreies Salz auf 10L Wasser). 

Nun beginnt für das Männchen die anstrengendste Zeit, nämlich die Brutpflege – bis zum Freischwimmen der Jungfische wird er weder ruhen noch fressen (wie mit allem bestätigen Ausnahmen die Regel) – unermüdlich wird er unter dem Nest wachen und herunterfallende Eier aufsammeln und sie ins Nest zurückbefördern.

Nach 36 - 48 Stunden schlüpfen die Fischlarven – anfangs sind sie nicht leicht auszumachen, bei genauem Hinsehen entdeckt man kleine Kommas im Nest. Das Männchen wacht weiterhin Tag und Nacht unter dem Nest, auch Ausreißer werden unermüdlich eingesammelt und aus dem Nest gefallene Jungfische wieder zurückgebracht.  

In den ersten 2 - 3 Tagen ernähren sich die Jungfische aus ihrem Dottersack bzw. von Infusorien, wie sie sich in eingefahrenen Becken zur Genüge befinden. Ab dem 3. - 4. Tag sollte aber unbedingt bereits zugefüttert werden z.B. mit Mikrowürmchen oder auch Essigaälchen. Ab dem Freischwimmen (jetzt wird das Männchen aus dem Zuchtbecken traditionellerweise entfernt – es sollte dann gut gefüttert werden und Ruhe haben dürfen) sollten unbedingt bereits frischest geschlüpfte Artemia-Nauplien angeboten werden.  

Auch sollten nun täglich 4-5 L gut aufbereitetes, abgestandenes Wasser ins Becken dazukommen, ca. 1 Woche nach dem Freischwimmen kann auch der Innenfilter wieder in Betrieb genommen werden (vorerst unter Beobachtung, ob die Jungfische nicht doch noch daran kleben bleiben und nicht selbstständig wieder vom Filter weg schwimmen können).
Sobald das Becken nach einigen Tagen vollgefüllt ist, kann man den Innenfilter aufrecht drehen.  

Nach ca. 1 ½ - 2 Wochen sollte man eventuell den Boden erstmals reinigen (vorsichtig, damit keine/kaum Jungfische irrtümlich miteingesaugt werden – Kübelwasser jedenfalls gründlich kontrollieren, bevor es weggeschüttet wird!). Zwei Wochen nach dem Schlupf kann man auch bereits größere Mengen Wassers wechseln, da die Jungfische nicht mehr so empfindlich auf Veränderungen der Wasserchemie sind - ca. 20-30% alle 3-4 Tage. Ein eventueller Reinigungstrupp Schnecken könnte ebenfalls völlig gefahrlos ab dem Freischwimmen eingesetzt werden.  

Ab ca. Woche 4 - 5 kann langsam versucht werden die Jungfische ebenfalls an Trockenfutter zu gewöhnen – hier bieten sich vor allem dekapsulierte Artemiaeier an.  

Später dann ab ca. Woche 6 können auch granulierte oder aufgetaute Cyclops hinzukommen, wie auch roter Plankton, oder ähnliches. Jede Nahrungserweiterung wird zuerst von den Jungfischen eher nur skeptisch angenommen oder vorerst einmal ganz abgelehnt.

Ab Woche 8 - 10 sollte man sich überlegen, ob die Beckengröße noch der Anzahl der Fische und deren Körpergröße entspricht – eventuell könnte man jetzt eine Transferierung in das Aufwuchsbecken vornehmen. Aufwuchsbecken sollten fix eingefahrene und vollständig eingerichtete Becken sein, ein Trupp Panzerwelse und Schnecken wäre hier nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch sehr hilfreich. Wasserwechsel in größeren Becken sollten häufig vorgenommen werden (ca. 30-40% alle 3-5 Tage), da die Jungfische bestimmte Stoffe ins Wasser abgeben, man vermutet Hormone, die scheinbar wachstumshemmend wirken. Selbstverständlich gibt es auch andere Theorien, so wirkt beispielsweise Nitrit ebenfalls wachstumshemmend, aber auch der sogenannte Crowding-Effekt könnte dafür verantworlich sein.

Ab Woche 10 in etwa kann es zu den ersten Zankereien im Becken kommen – sobald diese zu Schnappen oder Zupfen werden, sollten jeweils die aggressivsten Jungfische separiert werden. Dafür eignen sich lebensmittelechte, völlig durchsichtige Plastikboxen mit Deckel, die mindestens 3.5L Volumen haben. In jede Box wird 1 Fisch gesetzt. Diese Boxen sollten eine konstante Wassertemperatur von 25-26°C aufweisen und alle 2 – 3 Tage einen Wasserwechsel erfahren. Einmal pro Woche sollten diese Boxen allerdings komplett getauscht und gründlich gereinigt werden. Eine einmal tägliche Fütterung reicht für die separierten Fische nun langsam aus – je nach Größe kann man nun beginnen, auch aufgetaute und abgespülte Daphnien oder geschnittene weiße und schwarze Mückenlarven und Artemia anzubieten. Auch hochwertiges, zerkleinertes Trockenfutter ist nun gut geeignet. Zwischen den Boxen ist unbedingt ein Sichtschutz anzubringen und der Deckel muss eine Sauerstoffzufuhr ermöglichen (eventuell Löcher bohren oder den Deckel nur an einer Seite fixieren und somit an den anderen Seiten einige wenige Millimeter geöffnet lassen - mehr sollte es aber nicht sein, da Bettas gute Springer sind). Eine andere Möglichkeit z.B. hier, ein 100cm langes Becken mit Trennplatten – die höhere Wassermenge sorgt für stabilere Bedingungen, der eingebrachte Filter für eine bessere Wasserqualität.  

Nachdem die Jungfische ca. 3,5 – 4cm groß geworden sind, kann man diejenigen, die man nicht behalten will oder kann, ihren neuen Besitzern übergeben. Sie sollten nun ein eigenes Becken  bekommen. Im Aufzuchtbecken werden Weibchen übrig bleiben, die, sofern sie friedlich zusammenleben können, auch zusammen gehalten werden können – je nach Anzahl ist eine entsprechende Beckengröße für die Dauerhaltung auszuwählen. Aber auch in den Boxen können Weibchen im Rahmen des Separierens der Aggressivsten gelandet sein – diese sollten auch in Zukunft unbedingt alleine in Haltungsaquarien gepflegt werden.